Wie deine Lieferanten zu deinem größten Cyberrisiko werden
In immer komplexeren Partnerschaften stellen Lieferanten und Subunternehmer eine digitale Achillesferse dar: verletzlich, trügerisch sicher und oft unbewusst ignoriert. Warum die Vordertür aufbrechen, wenn du auch durch eine unbekannte Hintertür eintreten kannst? Das Management der Lieferkette, also die Sicherheit deiner gesamten Wertschöpfungskette, ist nicht optional, sondern unerlässlich.
Autor: Renee van der Post
Selbst wenn du alles richtig machst
Wir müssen nicht weit in die Vergangenheit blicken, um zu sehen, wie Angriffe auf die Lieferkette Unternehmen lahmlegen können. Im Jahr 2020 wurde SolarWinds von einem weitreichenden Angriff getroffen, bei dem Angreifer Zugang zu den Netzwerken von Tausenden von Unternehmen und Regierungsbehörden weltweit erhielten. Der Angriff blieb monatelang unentdeckt und führte zu schwerwiegenden Datenlecks, unter anderem bei amerikanischen Ministerien und großen Technologiekonzernen.
Auch der MOVEit-Hack im Jahr 2023 hatte weitreichende Folgen: Tausende Organisationen wurden Opfer eines Datenlecks, ohne selbst einen Fehler gemacht zu haben. Anfang 2025 wurde ein großer Einzelhändler vorübergehend lahmgelegt, als sein Anbieter für Logistiksoftware getroffen wurde. Die Filialen konnten keine Zahlungen mehr abwickeln, und die Kunden standen buchstäblich vor verschlossenen Türen.
Diese Vorfälle haben eines gemeinsam: Der Angriff begann nicht beim betroffenen Unternehmen selbst, sondern bei einem Partner in der Lieferkette.
Resilienz in der Lieferkette beginnt mit Transparenz
Echte digitale Widerstandsfähigkeit beginnt nicht nur mit noch mehr technologischen Maßnahmen im eigenen Unternehmen, sondern mit dem Einblick in deine gesamte Lieferkette. Welche Parteien haben Zugriff auf deine Daten? Mit wem arbeiten sie zusammen? Und welche Vereinbarungen wurden über Sicherheit und Vorfälle getroffen?
Stelle konkrete Anforderungen an deine Lieferanten. Denke dabei an die Einhaltung eines Mindestsicherheitsstandards (wie ISO 27001), das Anfordern aktueller Auditergebnisse oder die Implementierung eines gemeinsamen Verfahrens zur Meldung von Vorfällen. Organisiere regelmäßig Gespräche oder Kettensitzungen, um Risiken besprechbar zu machen – nicht, um mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern um gemeinsam stärker zu werden. Darüber hinaus stellt die NIS2-Richtlinie explizite Anforderungen an das Management von Lieferkettenrisiken. Dies ist also nicht nur klug, sondern in vielen Fällen auch eine gesetzliche Verpflichtung.
Bronnen:
¹ Cybercrime Trends Survey (2024)
² Wired – MOVEit Data Breach (2023)
³ Nu.nl – SolarWinds hack (2020)
⁴ The Guardian – Marks & Spencer cyberaanval (2025)